Homematic IP Home Control Unit Neue EEBUS-Funktionen fürs Energiemanagement

Homematic IP Home Control Unit: Neue EEBUS-Funktionen fürs Energiemanagement

Homematic IP

Mit der Home Control Unit will Homematic IP in Zukunft nicht nur Heizung, Licht und Sicherheit steuern, sondern auch die Rolle beim Energiemanagement übernehmen. Die möchte eQ-3 mit der Integration des EEBUS-Plugin umsetzten und die Funktionen LPC und LPP integrieren, mit denen sich die Leistungsaufnahme von Verbrauchern sowie die Einspeiseleistung von Erzeugungsanlagen automatisch begrenzen lassen.

Die Zentrale und ihre lokalen Funktionen haben wir bereits in unserem Beitrag zur Homematic IP Home Control Unit ausführlich vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt diente die EEBUS-Integration in erster Linie zur Erfassung und Auswertung von Messdaten; eine spätere Steuerung kompatibler Geräte war lediglich angekündigt. Mit den neuen Funktionen löst Homematic IP dieses Versprechen nun zumindest teilweise ein.

Was passiert mit Wärmepumpe, Wallbox oder Photovoltaikanlage, wenn der Netzbetreiber vorübergehend eine Leistungsbegrenzung vorgibt? Die Home Control Unit soll die verfügbare Leistung dann gezielt auf die eingebundenen Geräte verteilen. Welche Verbraucher bevorzugt behandelt werden, können Nutzer selbst festlegen.

Was ist EEBUS?

EEBUS steht für „Energy Efficiency Bus“. Dahinter steckt ein herstellerübergreifender Kommunikationsstandard für das Energiemanagement. Vereinfacht gesagt sorgt EEBUS dafür, dass Energiegeräte verschiedener Hersteller dieselbe „Sprache“ sprechen und Messwerte sowie Steuerbefehle austauschen können.

Die Home Control Unit nutzt diese Schnittstelle, um mit kompatiblen Energiegeräten im lokalen Netzwerk zu kommunizieren. Homematic IP nennt in seiner Anleitung unter anderem Wärmepumpen, Wallboxen, Wechselrichter, Smart-Meter-Gateways und Steuerboxen. Messwerte wie Verbrauch und Einspeisung erscheinen anschließend im Energie-Dashboard der Homematic IP App.

LPC und LPP: Das steckt hinter den Abkürzungen

LPC steht für „Limitation of Power Consumption“ und betrifft Geräte, die Strom beziehen. Dazu gehören beispielsweise Wärmepumpen, Klimaanlagen und Wallboxen. LPP bedeutet „Limitation of Power Production“ und ist für Anlagen vorgesehen, die Energie erzeugen oder in das Stromnetz einspeisen.

Wird eine Leistungsbegrenzung aktiv, schaltet das System die eingebundenen Geräte nicht einfach vollständig ab. Stattdessen wird ihre Leistung reduziert. In der App lässt sich zuvor festlegen, welche Geräte eine höhere Priorität erhalten. Denkbar wäre beispielsweise, die Wärmepumpe höher einzustufen als die Wallbox. Beim Laden des Elektroautos würde die Leistung dann früher und stärker reduziert. Wie genau ein Gerät reagiert, hängt allerdings von dessen unterstützten Funktionen und der jeweiligen Installation ab.

EEBUS allein reicht nicht aus

Die Einrichtung erfolgt über das EEBUS-Plugin in der lokalen Weboberfläche HCUweb. Anschließend muss die Verbindung sowohl in der Oberfläche oder App des jeweiligen Energiegeräts als auch in der Homematic IP App bestätigt werden. Die Geräte müssen EEBUS unterstützen und sich im selben Netzwerk wie die Home Control Unit befinden.

Für eine tatsächliche Leistungsbegrenzung durch den Netzbetreiber werden darüber hinaus eine passende Steuertechnik – beispielsweise ein CLS-Gateway mit FNN-Steuerbox – sowie entsprechend steuerbare Geräte benötigt. Eine Home Control Unit und ein installiertes Plugin allein genügen dafür also nicht.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, kann die Kommunikation über EEBUS eine zusätzliche Relaisverdrahtung ersetzen. Ob ein vorhandenes Gerät vollständig kompatibel ist und auch die neuen Funktionen unterstützt, sollte vorab beim jeweiligen Hersteller geprüft werden.

Hintergrund sind § 14a EnWG und § 9 EEG

Die neuen Funktionen stehen im Zusammenhang mit den gesetzlichen Vorgaben für steuerbare Verbrauchseinrichtungen und Erzeugungsanlagen. Seit dem 1. Januar 2024 müssen sich neu installierte steuerbare Verbraucher mit einer Netzanschlussleistung von mehr als 4,2 kW im Bedarfsfall dimmen lassen. Dazu zählen beispielsweise private Wallboxen, Wärmepumpen, Klimaanlagen und bestimmte Stromspeicher.

Bei einer drohenden Überlastung des lokalen Stromnetzes darf der Netzbetreiber deren Leistungsbezug vorübergehend reduzieren. Nach Angaben der Bundesnetzagentur bleibt dabei eine Mindestleistung von 4,2 kW verfügbar. Der normale Haushaltsstrom ist von einer solchen Drosselung nicht betroffen. Im Gegenzug können Betreiber einer steuerbaren Verbrauchseinrichtung von reduzierten Netzentgelten profitieren.

Mit LPP berücksichtigt Homematic IP zusätzlich mögliche Vorgaben für die Begrenzung von Erzeugung und Einspeisung, auf die der Hersteller im Zusammenhang mit § 9 EEG verweist.

Ab 2028 soll das Energiemanagement kostenpflichtig werden

Einen wichtigen Hinweis gibt Homematic IP mit der Einführung mit: Die Funktionen LPC und LPP können bis zum 31. Dezember 2027 kostenlos genutzt werden. Danach sollen sie Bestandteil eines kostenpflichtigen Home Energy Management Systems (HEMS) werden.

Eine automatische Umstellung auf das kostenpflichtige Angebot ist laut Hersteller nicht vorgesehen. Angaben zu Preis und genauem Funktionsumfang des späteren HEMS gibt es bislang noch nicht.

Fazit

Die neuen LPC- und LPP-Funktionen sind ein sinnvoller Schritt für die Homematic IP Home Control Unit. Statt Energieflüsse nur anzuzeigen, kann die Zentrale nun auf eine vorgegebene Leistungsbegrenzung reagieren und kompatible Geräte nach einer selbst gewählten Reihenfolge priorisieren.

Für Haushalte mit Wärmepumpe, Wallbox, Photovoltaikanlage oder Speicher kann das interessant sein – vorausgesetzt, alle beteiligten Komponenten unterstützen die notwendige Kommunikation. Offen bleibt vor allem, was das angekündigte HEMS ab 2028 kosten und welche zusätzlichen Funktionen es bieten wird.

Quelle/Foto: (Amazon /Homematic IP /HowTo zum EEBUS-Plugin / Gridx)

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